KI für Minderheitensprachen: Vernetzung und Austausch in Chur

26.10.2026, 08:31

Bei zwei Tagungen zu den europäischen Minderheiten und zur Digitalisierung in Chur stand die digitale Zukunft kleinerer Sprachen im Fokus - Südtirol setzt auf den Austausch

Der digidi bot Gelegenheit zum Austausch zwischen DIGI-RLF Projektpartnern (von links): Agentur für die Friulanische Sprache Direktor William Cisilino, Lia Rumantscha Digitalisierungsbeauftragter Igancio Perez Prat, Abteilungsdirektor Mathias Stuflesser, DIGI-RLF Projektmitarbeiter Robert Sama, Lia Rumantscha Generalsekretär Andreas Gabriel, EU-Projektekoordinator Abteilung Ladinische Bildungsverwaltung und Kultur Stefan Graziadei. (Foto: LPA/Abteilung Ladinische Bildungsverwaltung und Kultur)
Der digidi bot Gelegenheit zum Austausch zwischen DIGI-RLF Projektpartnern (von links): Agentur für die Friulanische Sprache Direktor William Cisilino, Lia Rumantscha Digitalisierungsbeauftragter Igancio Perez Prat, Abteilungsdirektor Mathias Stuflesser, DIGI-RLF Projektmitarbeiter Robert Sama, Lia Rumantscha Generalsekretär Andreas Gabriel, EU-Projektekoordinator Abteilung Ladinische Bildungsverwaltung und Kultur Stefan Graziadei. (Foto: LPA/Abteilung Ladinische Bildungsverwaltung und Kultur)

CHUR/BOZEN (LPA). Wie können Minderheitensprachen den digitalen Wandel und Künstliche Intelligenz (KI) aktiv für sich nutzen? Dieser Frage widmeten sich am 23. und 24. Oktober zwei eigenständige Fachveranstaltungen in Chur (Graubünden), an denen sich die Abteilung Ladinische Bildungsverwaltung und Kultur aktiv beteiligte. 

FUEN-Forum: Künstliche Intelligenz als Chance und Herausforderung 

Den Auftakt machte am Freitag, 23. Oktober, das Forum der Europäischen Minderheitenregionen im Churer Großratssaal, ausgerichtet von der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten FUEN. Durch die Veranstaltung führte Mathias Stuflesser, Direktor der Abteilung Ladinische Bildungsverwaltung und Kultur. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie kleine Sprachgemeinschaften einer digitalen Ausgrenzung entgegenwirken können, da große KI-Sprachmodelle überwiegend auf Weltsprachen trainiert werden. Diskutiert wurde, wie Minderheiten durch eigene Datenbanken und eine europaweite Vernetzung KI-Werkzeuge für die Spracherkennung und Übersetzung nutzen können. 

Einen Einblick in die Praxis gab dabei der Forscher Samuel Frontull von der Universität Innsbruck, der mit dem Tradutur Ladin ein eigens entwickeltes, KI-basiertes Übersetzungswerkzeug für die ladinische Sprache präsentierte. Das Projekt wird von der Universität Innsbruck gemeinsam dem Istitut Cultural Ladin Micurá de Rü umgesetzt, und vom Land Südtirol und der Region Trentino-Südtirol finanziell getragen. 

Für den ladinischen Landesrat und ehemaligen FUEN-Vizepräsidenten Daniel Alfreider sind Minderheitensprachen ein unverzichtbarer europäischer Wert: "Vielfalt ist keine Gefahr für die Einheit, sondern ein Reichtum. Gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz dürfen kleine Sprachgemeinschaften nicht Einzelkämpfer bleiben. Wenn wir unser Wissen bündeln, wird aus der technologischen Herausforderung eine große Chance. Unser Ziel ist es, dass das Ladinische – besonders für die junge Generation – auch im digitalen Alltag selbstverständlich präsent und nutzbar bleibt."

Digitalisierungstag "digidi" und Projekttreffen zu DIGI-RLF 

Am Samstag, 24. Oktober, folgte als zweite, unabhängige Veranstaltung der Digitalisierungstag "digidi" der Lia Rumantscha, der Dachorganisation der Rätoromanen in der Schweiz. Die Tagung widmete sich der digitalen Transformation im rätoromanischen Raum.  Zudem nutzten die Partner des grenzüberschreitenden Interreg-Projekts DIGI-RLF die Tagung für ein Arbeitstreffen, um die nächsten Projektschritte abzustimmen. 

Bei DIGI-RLF arbeiten die drei rätoromanischen Sprachen Ladinisch, Rätoromanisch und Friaulisch strategisch zusammen. "Um unsere Identität durch eine gelebte digitale Präsenz zu stärken, vernetzen wir sprachliche und technologische Kompetenzen über die Grenzen hinweg", betont Mathias Stuflesser, der das Projekt als Initiator und Projektleiter koordiniert: "Gemeinsam mit der Lia Rumantscha, der Eurac, der Universität Bozen (ladinische Sektion) und den Partnern im Friaul entwickeln wir praktische Lösungen für unsere Sprachen – von standardisierten Sprachdaten bis hin zu Modellen für die Spracherkennung, die unter anderem eine automatisierte Niederschrift von Sitzungen in Rätoromanisch und Ladinisch ermöglichen werden." 

red/mac

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